Eine richtig angepasste Kontaktlinse muss nicht nur die Fehlsichtigkeit korrekt korrigieren, sondern sich auch optimal am Auge anlegen, um Tragekomfort und einen ungehinderten Tränenaustausch unter der Linse zu gewährleisten. Damit dies möglich ist, müssen von einer Fachperson die passenden Linsenparameter bestimmt werden, sodass die Linse ihre Funktion optimal erfüllen kann. Weiche Kontaktlinsen werden durch die Basiskurve (BC, base curve), den Gesamtdurchmesser (DIA, diameter), die Rückflächenbrechkraft und das Material beschrieben. Der Parameter, auf den wir heute näher eingehen werden, ist die Basiskurve der Kontaktlinse.
- Eine Kontaktlinse ist ein Ausschnitt einer Kugel, deren Krümmung vom Radius abhängt. Ein grösserer Radius bedeutet eine flachere Oberfläche der Linse, ein kleinerer eine steilere.
- Die Basiskurve (BC) ist ein entscheidender Parameter von Kontaktlinsen, der über deren Sitz, Stabilität und Tragekomfort entscheidet.
- Eine falsch gewählte Krümmung kann zu Unbehagen, verschwommenem Sehen oder sogar zu Reizungen der Hornhaut führen.
- Die Auswahl der Kontaktlinsen sollte immer durch eine Fachperson erfolgen, welche die Passform nicht nur in Bezug auf BC, sondern auch auf Durchmesser, Material und Linsendesign beurteilt.
Inhaltsverzeichnis:
- Die Bedeutung der Basiskurve bei Kontaktlinsen
- Warum ist die Basiskurve wichtig?
- Wie wird die Basiskurve in der Praxis ausgewählt?
- Wie erkennt man eine falsche Anpassung der Basiskurve?
- Wie erkennt man die richtige Anpassung der Basiskurve?
- Hinweise für Patientinnen
- Zusammenfassung
Die Bedeutung der Basiskurve bei Kontaktlinsen
Die Basiskurve (BC, base curve) bezeichnet den hinteren optischen Radius der Linse, also wie flach oder steil ihre Rückfläche geformt ist. Ein grösserer BC‑Radius bedeutet eine flachere Linsenoberfläche, ein kleinerer BC‑Radius eine steilere.
Die BC ist jener Parameter, der bei der Anpassung am häufigsten verändert wird – eine Verringerung des BC‑Werts führt zu einer engeren Auflage der Linse, während eine Vergrösserung ein lockeres Sitzen ermöglicht.
Eine korrekt gewählte Basiskurve sorgt dafür, dass die Linse stabil auf der Hornhaut aufliegt und gleichzeitig einen ungehinderten Austausch des Tränenfilms unter der Linse erlaubt.
Der durchschnittliche Radius der Hornhautkrümmung liegt bei etwa 7,8 mm, dies ist jedoch nur ein Richtwert – bei jedem Menschen kann er unterschiedlich sein. Daher ist eine individuelle Untersuchung und Anpassung durch eine Fachperson so wichtig.
Warum ist die Basiskurve wichtig?
Eine richtig gewählte Basiskurve gewährleistet einen hohen Tragekomfort und minimiert das Risiko von Reizungen oder Komplikationen. Eine gut angepasste Krümmung:
- sorgt für eine stabile und zentrierte Lage der Linse,
- ermöglicht einen ungehinderten Tränenaustausch unter der Linse,
- schützt die Hornhaut vor Druckstellen und Reizungen,
- trägt zu einer klaren, scharfen Sicht bei.
Wenn die Linse eine ungeeignete Krümmung hat, kann das zu Unbehagen, verschwommenem Sehen oder sogar zu einem erhöhten Risiko für Irritationen oder Infektionen führen.
Wie wird die Basiskurve in der Praxis ausgewählt?
Vor einigen Jahrzehnten wurden Kontaktlinsen individuell nach den von einer Fachperson bestimmten Parametern gefertigt. Mit der Einführung der industriellen Massenproduktion in den 1980er‑Jahren mussten die Hersteller Standardwerte festlegen, die für die Mehrheit der Träger:innen geeignet sind.
Die am häufigsten vorkommende Basiskurve bei weichen Kontaktlinsen liegt bei 8,6 mm – in diesem Bereich findet man daher die grösste Produktauswahl. In der Praxis ist die Anpassung von Probelinsen entscheidend: Dabei beurteilt die Fachkraft den Sitz und den Tragekomfort der Linse. Nachstehend finden Sie Beispiele für Kontaktlinsen in Abhängigkeit vom Wert der Basiskurve:
Wie erkennt man eine falsche Anpassung der Basiskurve?
Zu lockere Anpassung
Zu locker sitzende Kontaktlinsen können ein unangenehmes Tragegefühl und wechselnde Sehschärfe verursachen. Betroffene berichten oft, dass sich die Linse besonders beim Blinzeln leicht von der Hornhaut verschiebt. Bei der Beurteilung der Passform sollte man zuerst prüfen, ob die Linse eventuell umgestülpt wurde – das ist ein häufiger Grund für einen zu lockeren Sitz. Wenn das Problem weiterhin besteht, kann es sinnvoll sein, auf eine Linse mit einer steileren Basiskurve zu wechseln. Bei sehr dünnen Linsen führt eine reine Änderung des BC‑Werts jedoch nicht immer zum gewünschten Ergebnis; in solchen Fällen bietet sich oft ein Modell mit einer Konstruktion an, die grundsätzlich eine engere Passform ermöglicht.
Zu enge Anpassung
Zu fest sitzende Kontaktlinsen werden anfangs oft als angenehm empfunden, da sie sich kaum bewegen und ein stabiles Sehen ermöglichen. Mit der Zeit können jedoch folgende Symptome auftreten:
- zunehmendes Unbehagen oder Schmerzen,
- Rötung der Augen,
- Sichtbare Blutgefässe auf der vorderen Augenoberfläche.
Eine zu enge Passform behindert den normalen Tränenaustausch unter der Linse, was zu Sauerstoffmangel der Hornhaut und zu Reizungen führen kann.
Wie erkennt man die richtige Anpassung der Basiskurve?
Die Basiskurve einer Kontaktlinse ist zwar wichtig, aber nicht der einzige Parameter, der über eine korrekte Anpassung von Kontaktlinsen entscheidet. Ebenso relevant sind der Durchmesser (DIA), das Design sowie das Material, aus dem die Kontaktlinsen hergestellt sind. Wer Kontaktlinsen sicher tragen möchte, ohne die Augen unnötig zu belasten, sollte sie immer von einer Fachperson anpassen lassen. Nur sie kann beurteilen, ob eine bestimmte Linse für das individuelle Auge geeignet ist und ob sie folgende Kriterien erfüllt:
- vollständige Abdeckung der Hornhaut beim Blick geradeaus und in alle Blickrichtungen – dies verhindert das Austrocknen freiliegender Hornhautbereiche,
- zentrale Positionierung der Linse in Bezug auf die Hornhaut in allen Blickrichtungen,
- ausreichende Beweglichkeit der Linse, um den Austausch des Tränenfilms zu ermöglichen, sodass Stoffwechselrückstände abtransportiert werden können,
- Auflage an Hornhaut und Bindehaut ohne Druck auf Blutgefässe; ein zu starker Druck könnte den Tränenfluss oder die Sauerstoffzufuhr am Hornhautrand behindern, während eine abstehende Linsenrandschicht Unbehagen verursachen kann,
- hoher Tragekomfort und klare, stabile Sehqualität.
Hinweise für Patientinnen:
Bitte beachten Sie:
- Kontaktlinsen sollten niemals eigenständig ausgewählt werden – eine Anpassung durch eine Fachperson ist stets erforderlich.
- Beim Wechsel der Linsenmarke sollte die Passform erneut von einer Fachkraft überprüft werden.
- Regelmässige Kontrolluntersuchungen – idealerweise einmal jährlich – sind entscheidend für die Augengesundheit.
- Anzeichen wie Brennen, Verrutschen der Linse oder verschwommenes Sehen sind ein Signal für einen Kontrolltermin.
Zusammenfassung
Die Basiskurve (BC) ist einer der wichtigsten Parameter bei Kontaktlinsen und bestimmt massgeblich den Komfort und die Stabilität beim Tragen. Während Patient:innen häufig primär auf die optische Stärke achten, sind es in Wahrheit die Basiskurve, der Durchmesser, das Material und das Design, die darüber entscheiden, ob eine Linse nicht nur bequem, sondern auch sicher für das Auge ist. Daher sollten Kontaktlinsen immer von einer Fachperson angepasst werden. Regelmässige Kontrollen und das rasche Reagieren auf Unregelmässigkeiten garantieren, dass das Tragen der Linsen jeden Tag komfortabel und sicher bleibt.
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Dieser Artikel basiert auf wissenschaftlichen Publikationen und ist Teil des Optometrist:innen‑Ratgebers. Lesen Sie weitere Fachartikel, um mehr über Kontaktlinsen zu erfahren. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an unser Team aus Optometrist:innen oder fragen Sie Ihre:n Augenärzt:in. Die hier vorgestellten Inhalte sollten insbesondere bei Sehproblemen immer mit einer Fachperson besprochen werden.
Verfasst vom Team der Optometrist:innen unter der Redaktion von Mag. Aleksandra Gorczyca (Optometristin bei KODANO Optiker, wissenschaftliches Profil: https://www.researchgate.net/profile/Aleksandra-Gorczyca-4) – übersetzt aus dem Polnischen.
Quellenangaben:
- [1] Grosvenor T. Optometrie. Verlag Elsevier Urban & Partner, Wrocław 2011.
- [2] Gasson A., Morris J. Kontaktlinsen. Verlag Elsevier Urban & Partner, Wrocław.
- [3] Veys J., Meyler J., Davies I. Leitfaden: Praktische Grundsätze der Kontaktlinsenanpassung. The Vision Care Institute.
- [4] Efron N. Kontaktologie – Band I, Edra Urban & Partner, 2021.
- [5] Co oznacza krzywizna w soczewkach kontaktowych? - Kodano.pl




